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Änderung der Benchmark-Verordnung zu klimabezogenen Referenzwerten verabschiedet
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Datum: 13.11.2019 | Kategorie: Sonstige

Änderung der Benchmark-Verordnung zu klimabezogenen Referenzwerten verabschiedet

Die Erweiterung der Benchmark-Verordnung (VO (EU) 2016/1011) um klimabezogene Referenzwerte und entsprechende Offenlegungsvorschriften ist Anfang November vom Rat der EU beschlossen worden. Die Unterzeichnung ist für die 48. Kalenderwoche vorgesehen, Veröffentlichung im EU-Amtsblatt und Inkrafttreten erfolgen im Anschluss.

Neu eingeführt werden Vorgaben zur Bestimmung folgender Referenzwerte

a) EU Climate Transition Benchmark (EU-CTB) und
b) EU Paris-aligned Benchmark (EU-PAB).

Für Zwecke einer EU-CTB sind die zugrunde liegenden Vermögenswerte so zusammenzustellen und zu gewichten, dass sich das daraus resultierende Referenzwert-Portfolio auf einem Dekarbonisierungszielpfad befindet. "Dekarbonisierungszielpfad" bezeichnet einen messbaren, wissenschaftsgestützten, zeitgebundenen Zielpfad zur Ausrichtung der Ziele des Pariser Klimaabkommens durch Verringerung der CO2-Emissionen. Die CO2-Emissionen umfassen Scope 1 (direkter CO2-Ausstoß durch den Geschäftsbetrieb des Referenzunternehmens), Scope 2 (indirekter CO2-Ausstoß durch Verbrauch im Geschäftsbetrieb des Referenzunternehmens, bspw. von Strom) und Scope 3 (vor- und nachgelagerter CO2-Ausstoß durch die Wertschöpfungskette des Referenzunternehmens).

Für Zwecke einer EU-PAB sind die zugrunde liegenden Vermögenswerte so zusammengestellt und gewichtet, dass das daraus resultierende Referenzwertportfolio auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens ausgerichtet sind, und andere ESG-Ziele dabei nicht wesentlich beeinträchtigt werden (mit Referenz auf die EU-Taxonomie, die derzeit im Trilog verhandelt wird).

Beide Referenzwerttypen müssen nach Mindeststandards erstellt werden, die noch im Rahmen delegierter Rechtsakte der EU-KOM zu schaffen sind, insbesondere hinsichtlich der Kriterien für Auswahl bzw. Ausschluss zugrunde liegender Vermögenswerte, der Kriterien und Methoden ihrer Gewichtung sowie Konkretisierungen zur Berechnung des Dekarbonisierungspfades.

In der EU ansässige Administratoren, die signifikante Referenzwerte bereitstellen, die auf der Grundlage eines oder mehrerer Vermögenswerte oder Preise ermittelt wurden, sollen sich bemühen, bis zum 1. Januar 2022 einen oder mehrere EU-CTB zur Verfügung zu stellen.

Bis 30. April 2022 ist für jede Referenzwert-Erklärung zu erläutern, ob und inwieweit ESG-Faktoren berücksichtigt werden. Bis 31. Dezember 2021 bereits ist für jeden Referenzwert bzw. Referenzwertfamilie mit Ausnahme von Zinssatz oder Wechselkurs-Benchmark in der Referenzwerterklärung Auskunft über die Dienlichkeit zur CO2-Transition oder der Zielerreichung des Pariser Klimaabkommens Auskunft zu geben. Für bestehende, anerkannt kritische Referenzwerte können Übergangsfristen eingeräumt werden.

Sofern Referenzwert-Administratoren schon zeitnah eine EU-CTB oder EU-PAB bereitstellen wollen, müssen sie die Anforderungen der Benchmark-VO nF bis zum 30. April 2020 auf Grundlage der dann bereits bestehenden Regelungen erfüllen. Insoweit ermöglicht der Gesetzgeber hier eine Art Frontrunning im Dienst des Klimaschutzes.

 

 

Ihre Ansprechpartnerin:

Nancy Keller

Telefon: +49 171 4270904